Seminar der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) "Wein ist Vielfalt"

Wirtschaftspolitik

Das jährliche weinbaupolitische Seminar der FES zum Weinbau in Rheinland-Pfalz fand in diesem Jahr in Boppard statt. Die FES ist die größte und älteste parteinahe Stiftung in Deutschland, die der SPD nahe steht. Winzer aus ganz Rheinland-Pfalz, Verbandsvertreter, Hochschulen, Abgeordnete und Weinmajestäten waren gekommen. Der Mittelrhein war ebenfalls gut vertreten. Diskutiert wurde in vier Podiumsrunden. Nach jeder Runde fand eine Weinprobe statt.

 

Themen

- „Aktuelle politische Entwicklungen im Weinbau“

- „Mit Laptop im Weinkeller? – Digitalisierung im Weinbau“

- „Riesling – eine vielfältige Sorte!“

- „Tourismus und Wein - eine unschlagbare Symbiose im Zeichen der

   BUGA 2031“

Themen

- „Aktuelle politische Entwicklungen im Weinbau“, Podium: Gustav Herzog, MdB, Norbert Neuser, MdEP, Helmut Caspary, AbtL Min f. Weinbau RLP, Klaus Schneider, Präsident Deutscher Weinbauverband, Moderator Wolfgang Schwarz, MdL

- „Mit Laptop im Weinkeller? – Digitalisierung im Weinbau“, Podium: Matthias Porten, DLR Mosel, Heike Raab, Staatssekretärin für Digitales RLP, Freimut Stephan, DLR Mosel und Pilot, Jens Windisch Winzer, Moderator Nixo Steinbach, MdL

- „Riesling – eine vielfältige Sorte!“, Podium: Prof. Dr. Ulrich Fischer, DLR Rheinpfalz, Heinz-Uwe Fetz, Präsident Weinbauverband Mittelrhein, Hubert Konrad, Hochschule Geisen-heim, Laura Lahm, Deutsche Weinprinzessin, Moderator Wolfgang Schwarz

- „Tourismus und Wein - eine unschlagbare Symbiose im Zeichen der BUGA 2031“. Podium: Dr. Randolf Kauer, Winzer, Roger Lewentz, Minister, Stefan Zindler, Geschäftsführer RLP Tourismus, Moderatorin Nina Kinkel, MdL

 

 

Es war z. B. interessant, zu erfahren, dass die politischen Parteien in der EU und in Deutsch-land beim Wein eng und vertrauensvoll von der EU über den Bund bis zu den Ländern (bes. RLP) zusammenarbeiten, nicht beim trinken, sondern bei der Gesetzgebung und, wie die Zusammenarbeit mit den Verbänden und den unterschiedlichen Interessen innerhalb der Verbände funktioniert. Oder, dass die Skandinavier und die Balten Alkohol und damit auch Wein aus gesundheitlichen Gründen am liebsten in der EU verbieten möchten. Als Antwort darauf soll eine noch stärkere Verbindung zwischen Wein und Kultur hergestellt werden.

 

Beim nächsten Punkt fand war spannend, dass die "Spritzbrühe" im Weinberg demnächst mit Drohnen ausgebracht werden kann. Das hat ein Drohnenpilot sehr verständlich geschildert. Aus der Landwirtschaft ist bekannt, dass die Digitalisierung dem Landwirt schon viel Arbeit erleichtert (Düngung, elektronisch gesteuerter Mähdrescher...). Dass die Digitalisierung immer stärker im Weinbau um sich greift war überraschend. Aber einige Winzer gaben kund, dass sie es sich nicht nehmen lassen würden, sich morgens selbst im Weinberg umzuschauen, anstatt die Daten von einer Drohne zu übernehmen, die sie auf ihrem Laptop ablesen können. Voraussetzung für die Digitalisierung wäre allerdings eine gute IT-Infrastruktur (Netz) auch in den Weinbergen.

 

Beim Thema "Riesling" - eine vielfältige Sorte, spielte die Weinbergs- und Kellertechnik, der Boden/Terroir, die Klimaveränderung (frühere Reife, zügigere Lese), die Vermarktung, die verschiedenen Sorten - so wurde ein Roter Riesling (Weißwein) probiert -, die Geschmacks-bandbreite, die Praxis in Australien und anderswo, sowie die Verknüpfung zwischen Weinge-schmack und passendem Menü, eine Rolle. Oft kennt man - so das Podium - im Ausland unsere guten trockenen Rieslinge gar nicht, nur süße Weine/Riesling.

 

Über die Runde „Tourismus und Wein – eine unschlagbare Symbiose im Zeichen der BUGA 2031“ hat die Rhein-Zeitung berichtet:

 

 

RHZ Boppard 17.01.2018 Buga kann die Weinregion nach vorn bringen

Tourismus und Wein können das große Pfund sein, mit dem die Region Mittelrhein bei der Bundesgarten-schau 2031 punkten kann. Dies machte eine Podiumsdiskussion in Boppard deutlich, die im Rahmen des weinbaupolitischen Seminars der Friedrich-Ebert-Stiftung unter der Überschrift „Wein ist Vielfalt“ in der Stadthalle stattfand. Nicht nur der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz unterstrich dabei, dass das Welterbetal „Feuer und Flamme“ für die Buga als Zukunftsmotor ist.

Moderiert von der Landtagsabgeordneten Nina Klinkel (2. von rechts), diskutierten Winzer Randolf Kauer, Minister Roger Lewentz und Stefan Zindel (von links) von der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH in Boppard über die Bedeutung von Tourismus und Wein hinsichtlich der Buga 2031. Foto: Werner Dupuis\clip_image002.jpg" style="width:364px; height:163px" /> https://www.rhein-zeitung.de/cms_media/module_img/2660/1330244_59_arslideimg_image_53e29b8d4bd69a6c.jpg Bildergebnis für friedrich ebert stiftung\clip_image006.jpg" style="width:157px; height:157px" />

Moderiert von der Landtagsabgeordneten Nina Klinkel (2. von rechts), diskutierten Winzer Randolf Kauer, Minister Roger Lewentz und Stefan Zindel (von links) von der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH in Boppard über die Bedeutung von Tourismus und Wein hinsichtlich der Buga 2031.


Im Programm war die Podiumsrunde mit Lewentz unter dem Titel „Tourismus und Wein – eine unschlagbare Symbiose im Zei-chen der Buga 2031?“ angekündigt. „Das Fragezeichen sollte sofort gegen ein Ausrufezeichen getauscht werden“, erklärte Prof. Dr. Randolf Kauer, der als Bacharacher Winzer und Lehrstuhlinhaber an der Hochschule Geisenheim über die besondere Bedeu-tung des Weinbaus für das Tal sprach. „Für den Weinbau am Mittelrhein ist die Buga-Idee eine große Chance“, sagte Kauer, der die Buga als Möglichkeit sieht, dass das flächenmäßig überaus kleine Anbaugebiet viel mehr Aufmerksamkeit erfährt.

„Wir werden oftmals nicht als zusammenhängendes Anbaugebiet wahrgenommen“, sagte Kauer, „vielleicht schaffen wir es durch die Buga, mehr Präsenz zu bekommen und ins Bewusstsein zu gelangen“. 480 Hektar, so erläuterte er zur Einordnung, „das hat eine rheinhessische Gemeinde um den Kirchturm herum“. Kauer skizzierte damit ein seit Jahren existierendes Dilemma: Obwohl der Mittelrhein dank zahlreicher exzellenter Weingüter für hohe Qualität und ein geradezu einzigartiges Preis-Leistungs-Verhält-nis bekannt ist, fehlt die übergeordnete Wertschätzung, die Gesamtwahrnehmung des Gebiets fällt im überregionalen und auch internationalen Raum deutlich zurückhaltender aus als das Lob für einzelne Betriebe. Experten wissen zwar, wie klein und fein der Mittelrhein ist, der zudem eine einmalige Kulturlandschaft bietet – aber es könnten eben noch viel mehr sein. Die Buga, so erklär-te Minister Lewentz, bietet die Möglichkeit, für eine gelungene „Symbiose von Wein und Fluss“ zu sorgen.

Kauer sprach davon, dass Weinbergs-Apps den Gast im Rahmen der Buga durch das einzigartige Gebiet leiten könnten. Diese Idee harmoniert mit dem Gedanken, eine zur Bodenständigkeit der Region passende, gleichzeitig hochmoderne Buga zu initialisieren. „Mein Ansinnen ist es, dass die Buga 2031 bei der Digitali-sierung der modernste Teil Deutschlands ist“, sagte Lewentz. Über die reine Veranstaltung hinaus könne dies für das Tal wichtige Anknüpfungspunkte bringen – von der Telemedizin bis hin zu einer bestens vernet-zten Struktur beispielsweise moderner Architekturbüros.

 

Für den Weinbau am Mittelrhein ist die Buga-Idee eine große Chance. Prof. Dr. Kauer

 

Es geht bei der Buga nicht um eine schöne Gartenschau in 13 Jahren, sondern um die Gesamtentwicklung der Region, die bereits vor gut einem Jahrhundert als touristisches Premiumgebiet gelten durfte. Lewentz beschrieb das große Potenzial der Region, die „in der obersten Liga der europäischen Fremdenverkehrsangebote mitspielen“ kann. Stefan Zindler, Geschäftsführer der Rhein-land-Pfalz Tourismus GmbH, ergänzte mit Blick auf den Wein, dass die gesamte Bandbreite des rheinland-pfälzischen Weinbaus im Rahmen der Buga 2031 beschrieben werden kann. Für Andreas Stüber, der als Inhaber des Bacharacher Rheinhotels in Bop-pard für viele regionale Gastronomen sprach, ist es wichtig, dass die Buga über das Veranstaltungsjahr hinaus Wirkung zeigt. Die Buga solle ein Ziel sein, auf dem sich aufbauen lasse, gerade auch hinsichtlich des Angebots der Region. Viele Angebote im Tourismus seien heute zu kompliziert, der Zuschnitt müsse stärker auf den Verbraucher ausgerichtet sein.

Stüber erklärte, dass es aus Sicht der Gastronomie einen dringenden Bedarf gibt, die heute gut sieben Monate dauernde Saison deutlich auszudehnen. „Wenn kein Schiff fährt, wird es richtig kompliziert“, erklärte er hinsichtlich eines Tals, das in vielerlei Hinsicht aktuell keine Ganzjahresdestination für Touristen darstellt. Die Buga 2031 könnte der Schlüssel sein, um dies grund-liegend zu ändern.

 

Volker Boch zur Symbiose im Tourismus: Potenzial muss genutzt werden

Keine Frage: Auch in der Provinz ist Weltklasse möglich! Der Mittelrhein muss nur seine Chance ergreifen.

Klar, der Mittelrhein bietet nicht die infrastrukturellen Vorteile großer Metropolen, hier gibt es keine großen Unternehmen und keine bedeutenden Denkfabriken. Aber das Welterbetal ist eines der bedeutenden touristischen Kleinode in Deutschland. Die Region ist liebens- und lebenswert, vor allem aber: eine Reise wert! Weshalb gehört für viele Asiaten die Loreley neben Venedig und dem Jungfraujoch zur Europa-Rundreise dazu, weshalb trinken renommierte Sommeliers privat gern einen guten Mittelrhein-Riesling? Weil sie jeweils um die Qualität dieser Region und ihres Weines wissen.

Die Region Mittelrhein kann viel, aber sie muss sich auch trauen, das Potenzial auszunutzen. Selbstbewusst und bodenständig, vielleicht so, wie die Schweizer ihre landschaftlichen Juwelen in Szene setzen. Die Qualität am Mittelrhein ist da, das zeigt der Weinbau am besten, nur müssen eben auch Marketing, Selbstwertgefühl und Miteinander auf ein entsprechendes Niveau kommen. Die Buga bietet die bestmögliche Chance, um in der Provinz Weltklasse zu zeigen.

 
 

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